Sex in der Kirche

Tagblatt Online, 31. Juli 2014, 07:21 Uhr

Herzli statt Füdli: Herisauerin zensiert «Sex-Plakate»

Zoom

Schluss mit lustig: Ursula Fröhlich aus Herisau hat interveniert und am Bahnhof Herisau Plakate der Love-Live-Kampagne umgestaltet. (Bild: rf)

HERISAU. Im Mai hat die Herisauer Religionslehrerin Ursula Fröhlich gedroht – jetzt macht sie ernst. Sie will nicht akzeptieren, dass seit kurzem auch in Herisau Plakate der neuen «Love Life»-Kampagne vom Bundesamt für Gesundheit hängen.

ROGER FUCHS

Vor gut zwei Monaten hielt Fröhlich fest: «Die für die Kampagne verwendeten Bilder gehören in die Kategorie der Pornographie.» Würde sie dereinst Plakate dieser Kampagne in Herisau entdecken, könne sie sich vorstellen zu intervenieren. In welcher Art und Weise sie dies tun will, wusste sie im Mai noch nicht.

Schämen für die Schweiz

Seit kurzem hängen die Plakate in Herisau. Und Fröhlich hat sich eine Intervention überlegt. Aus dem Nichts lässt sie gestern Nachmittag die Redaktion wissen, sie habe zwei «Love-Life»-Plakate am Bahnhof Herisau verschönert. Was sie darunter versteht, zeigt ein Augenschein: Die Religionslehrerin hat die von Laiendarstellern gestellten Szenen, mit denen gemäss Bundesamt für Gesundheit für einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität geworben wird, mit Herzen und Aussagen überklebt. So heisst es neu auf dem Plakat «BAG: Stop Sexting». Und Ursula Fröhlich stellt die Fragen «Präventiv oder Primitiv?» und «Bundesgelder für diese Kampagne?».

Ursula Fröhlich sieht mit der Kampagne ihr persönliches Gewissen verletzt. «Ich schäme mich für die Schweiz. Unser Rechtssystem verbietet, Pornographie für Kinder zugänglich zu machen», sagt sie. Im öffentlichen Raum könne niemand diesen Bildern ausweichen.

Meinungsfreiheit ja, aber . . .

Beim Bundesamt für Gesundheit zeigt man sich über die Neugestaltung des Plakates nicht nur glücklich. Zwar würde in der Schweiz Meinungsfreiheit herrschen, es wäre aber schön, wenn dies ohne Sachbeschädigung gemacht würde. Was die eigentliche Umgestaltung des Plakates betrifft, so bezeichnet Mediensprecherin Mona Neidhart diese als originell. «Wir finden es allerdings schade, dass die Botschaft, sich und seine Partnerin oder seinen Partner vor HIV und STI zu schützen, nicht mehr sichtbar ist.» Der Vorwurf, mit den Plakaten Sexting zu betreiben, wird in aller Form zurückgewiesen. Sexting sei der Austausch selbst produzierter intimer Fotos von sich oder anderen via Internet oder Mobiltelefon.

Noch keine Kenntnis von der Aktion hatte gestern die Allgemeine Plakatgesellschaft APG, welche die Plakate an den Wänden anbringt. Bei der Firma sind gemäss CEO Markus Ehrle bislang erst ganz wenige negative Reaktionen zur Love-Life-Kampagne eingegangen. In Einzelfällen seien die Bilder schon als «geschmacklos» bezeichnet worden. Zur Aktion von Ursula Fröhlich sagt Ehrle, dass es sich hierbei grundsätzlich um Eigentumsbeschädigung handle. Ob Anzeige erstattet würde, werde jeweils von Fall zu Fall in Absprache mit den Kunden besprochen. Vorerst wird man bei der Allgemeinen Plakatgesellschaft darum bemüht sein, bei den Plakaten am Bahnhof Herisau wieder den Originalzustand herzustellen. Spätestens dann dürfte sich auch zeigen, ob Ursula Fröhlich noch eine weitere Interventionsstufe eingeplant hat.


Tagblatt Online, 31. Juli 2014, 02:36 Uhr

EVANGELISCHE ALLIANZ

Alternative Kampagne mit Eheleuten

Auch bei der Schweizerischen Evangelischen Allianz herrscht Ärger ob der Love-Life-Kampagne. Sie teilt mit, dass sie eine Alternative starten wird. Ehepaare können ihr Foto einsenden, das dann mit dem Slogan «Verheiratet seit x Jahren – Wir bereuen nichts» versehen wird. Aus Sicht der SEA ist Treue die beste HIV-Prävention. Zweimal habe man beim Bundesamt für Gesundheit interveniert mit der Bitte, die HIV-Präventionskampagne mit den Sexbildern zu stoppen. (rf)

Kulturalismus vs. Natur und Fakten

Glauben heisst, nicht wissen wollen, was Tatsache ist

A priori ist der Mensch schlicht ein Säugetier und zwar genau so ein primitives, wie jedes andere Säugetier auch. A posteriori und im Verlauf einer sich erst später entwickelten Gesellschaft, schuf sich der Mensch eine Kultur. Die menschliche Natur und Kultur, wirken als Kräfte wechselseitig, etwa gleich stark auf den Menschen und sein Verhalten ein. Hat man das erstmal erkannt und akzeptiert, kann man pragmatisch, artgerecht und vor allem realitätsnah mit unserer Spezies, die in diesem Spannungsfeld lebt, umgehen. Die Plakate sind ein Beispiel dazu.

Dass religiöse Leute mit der dieser Tatsache nur schlecht umgehen können, liegt auf der Hand. Andere Denkarten und Lebensweisen können sie nur schlecht oder gar nicht akzeptieren, das demonstriert hier Frau Ursula Fröhlich aus Herisau.

Ob’s nun schön ist oder nicht

Tatsache ist, dass nicht alle Menschen so leben wollen wie Frau Ursula Fröhlich aus Herisau. Tatsache ist, dass der Mensch Sex hat – auch unverheiratet. Tatsache ist, das einige Menschen ihre Sexualpartner wechseln, oder mehrere gleichzeitig haben. Tatsache ist, dass der Mensch sich anstecken kann, speziell dann, wenn er sich nicht adäquat schützt – innerhalb wie auch ausserhalb von sexuellen Handlungen. Darum gibt es unter anderem Pariser und sollten darum, wie andere Hygieneartikel auch, benutzt werden.

Pariser (im Sinne der Religion) zu verbieten, deren Benutzung zu verhindern oder zu verpönen, ist misanthropisch und borniert. Wahr ist, dass Treue eine gute Prävention ist und das wird gemeinhin auch akzeptiert, aber es gibt auch andere Lebensweisen, die absolut legitim und zu akzeptieren sind.

TV und www

Genau so öffentlich und bisweilen vulgärer übrigens, wie diese Plakate gemäss Frau Ursula Fröhlich und ihresgleichen sein sollen, sind TV und www auch. Vor diesen Medien lassen sich Kinder ähnlich schlecht schützen. Daher ist Aufklärung besser als kirchenmoralgeschwängerte Zensur.

Wir lassen euch beten, lasst ihr uns Spass haben!

(Der Wechselbalg)

Abfall:

in seiner ganzen Tierheit. Und erst in zweiter liene, a posteriori, ist er Kutur Diese gewissermassen sich konträr aneinander reibenden Kräfte, schliessen den Mensch zwischen sich ein und zermalmen ihn mitunter.Ideologien neigen zu Kultureller RassissmusDarum ziehen wir uns Handschuhe an, führen Hygiene – und sollten auch Pariser benutzenund das heisst folglich, dass Gott selbst, der sich in seiner Schöpfung selbst verkörpern soll, wie behauptet wird, als pervers und abartig, gegen seine eigene Natur bezeichnetWas die SEA und gleich- und ähnlich Gesinnte angeht: Homosexuelle dürfen nicht heiraten. Vielmehr werden sie gerade von euresgleichen als perverse, gegen Gottes Natur lebende und empfinde hingestellt und in anderen Ländern in Gottes Namen verfolgt und getötet.Dass aber der gleiche, angeblich existierende Gott, der alles Leben auf der Erde geschaffen haben und sich darin selbst verkörpern soll, muss demnach ebenso Pervers und  somit gegen sich selbst gerichtet sein, wie es die Religiösen von den Homosexuellen behaupten. Denn er hat nicht nur homosexuelle Menschen, sondern auch homosexuelle Delphine, Bonobos, Schimpansen, Würmer, Eidechsen, Möven, Hasen, Schafe, Meerschweinchen etc.  geschaffen. – Prost! Die religiöse Argumentation ist also nicht ernst zu nehmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.