Der Katholizismus und sein Folgemodell

Aus Christlicher Sicht beginnt das Leben mit der Geburt und endet mit dem Tod. Dann folgt das ewige Leben im Himmel oder in der Hölle – je nach dem wie man gelebt hat.

Aus dieser Sicht ist es also wichtig, dass man bereits jetzt ein gutes Leben führt – Gott gefällig, betend, seinen Nächsten liebend, in vielem enthaltsam etc.. So gewährleistet man nicht in der Hölle, sondern im Paradies zu landen. Das scheint für manche eine absolute Gewissheit zu sein, ohne dass sie es wirklich beweisen, resp. wissen können. Ich würde das Spekulation nennen.

Der Kapitalismus funktioniert da ganz ähnlich. Das Arbeitsleben beginnt mit der Einschulung (das entspräche hier der Geburt) und endet mit der Pensionierung (das entspräche dem Tod). Danach kommt das Leben im Ruhestand (das entspräche dem ewigen Leben).

Der Ruhestand ist in seiner Art abhängig davon, wie man sich im Arbeitsleben geführt hat. Man soll also heute auf die süsse Freizeit verzichten, viel arbeiten, lernen und seinen Lohn für später aufheben, damit man es im Ruhestand einmal gut hat.

Blöd nur, wenn man sein ganzes Arbeitsleben viel gearbeitet und gespart hat – also wenig vom ggw Leben hatte und dann am Tage der Pensionierung stirbt. Dann hätte man sich gewissermassen verspekuliert. Gleich wie der Gläubige, der nach seinem Ableben einfach tot ist und sich dann weder in der Hölle noch im Himmel wiederfindet, sondern schlicht die Freuden des Lebens versäumt hat.

Der Konsum entspräche im Kapitalismus dem christlichen Gebet – es ist mir klar, dass der Vergleich hier etwas hinkt, dass z.B. Sparen für nach der Pension, dem Konsum von Gütern und Dienstleistungen entgegenläuft. Mir ist es hier auch nicht wichtig, dass ich einen 1:1-sauberen Vergleich hinbekomme, sondern es geht mir darum, die Absurdität der beiden Systeme aufzuzeigen.

Die Kirche war einst ein mächtiges Institut, dass das Leben der Menschen stark beeinflusst und reglementiert hat. Nach Jahrhunderten ist es uns dann gelungen, uns als Individuen und Gesellschaft von ihr zu befreien. Wir haben uns indes Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung, Demokratie etc. errungen. Diese und anderes mehr, nenne ich hier die ‚freiheitlichen Errungenschaften‘.

Nach und nach wurde der Kapitalismus zu einer immer stärkeren Macht und beginnt nun den Katholizismus in seiner Funktion als allbestimmende Kraft abzulösen und all die Errungenschaften, die wir einst der Kirche abrangen, einzuverleiben.

Gleichsam droht er uns mit Jobverlust und Pleite, was der Strafe Gottes gleichkommt und untergräbt so z.B. immer häufiger die demokratischen Entscheidungen des Volkes zu seinen Gunsten. ‚Verlängert‘ man diese Strömung, werden wir bald wieder zu Leibeigenen werden, wie wir es einst im Mittelalter schon waren. Diesmal aber nicht von der Kirche, sondern eben vom kapitalistischen System und ja, wir sind da schon sehr weit fortgeschritten und in gewisser Weise auch betriebsblind.

Wie Helmut Schmidt, der ehemalige Bundeskanzler der BRD (er ist übrigens grad heute, am 10.11.15 gestorben) schon sagte, hat die Politik ihre Macht der Wirtschaft abgegeben. Von den Politikern wäre es also ehrlich, wenn sie sagen würden, dass sie zurücktreten. Die Politik verkommt vor diesem Hintergrund mehr und mehr zu einer Farce.

Die freiheitlichen Errungenschaften sind uns also gar nicht so sicher, denn sie sind eine zarte Pflanze. Wir müssen uns gar nicht so in Sicherheit wähnen! – selbstverständlich sind wir im Begriff und auf dem besten Weg, dem Kapitalismus all unseren freiheitlichen Errungenschaften in seinen gierigen Schlund zu werfen!

Eine weitere ernsthafte Bedrohung dieser Errungenschaften, stellt unser zunehmendes Sicherheitsbedürfnis dar. Daraus folgt Überwachung und Kontrolle – das Pendant des allgegenwärtigen und alles sehenden Auge Gottes. Gewissermassen eine Nebenwirkung des Kapitalismus, welcher mit Ausbeutung und Unterdrückung Andersdenkender und Anderslebender Terror provoziert und heraufbeschwört.

Ich muss hier wohl kaum erwähnen, dass der Katholizismus und der Kapitalismus grad der gleiche absurde Scheissdreck sind, ohne welchen es sehr wohl, friedlich und komfortabel gehen würde! Allenfalls ist es auch kein Zufall, das beide Ideologien mit der gleichen Vorsilbe wie ‚Kacke‘ beginnen.

Ich finde es als freier Mensch und Demokrat wichtig, dass man sich bezüglich solcher Themen auseinandersetzt und nicht einfach stumpf wie ein Schaft der Herde hinterher läuft, sondern sich gegebenenfalls wehrt und entgegen dem Strom schwimmt!

Volker Pispers – so finde ich, hat da einen eleganten und amüsanten Beitrag geleistet. Er macht das viel eleganter als ich es könnte, darum erlaube ich es mir, ihn hier zu zeigen.

Allerdings finde ich es bedenklich, dass sein Programm unter Satire laufen muss – wie er selber sagt – um nicht als Spinner dazustehen. Scheinbar ist es für uns bereits jetzt schon unerträglich, seine These ernst zu nehmen, oder es wenigstens ersthaft als mögliche Tatsache in Betracht zu ziehen, denn ich finde, dass er in dem was er sagt, sehr recht hat!

Ich wünsche mit seinem Beitrag viel Spass!

(Der Wechselbalg)


Abfall:

nach dem TodIn der Christlichen IdeologieWichtig ist also, wie man lebt. Ich finde es bezeichnend, dass seine Aussagen nur unter dem Titel ‚Satire‘ Lange habe ich mir überlegt, wie ich darlegen könnte, wie der Kapitalismus strukturell dem Katholizismus gleicht, denn die Ähnlichkeiten sind geradezu frappant!Beide sind religiös strukturierte Systeme. Es geht um Himmel, Hölle, den Glauben an Handlungen heute, welche sich Morgen auszahlen, es geht um gegenwärtige Entbehrungen, welche sich Morgen lohnen etc. pp.Volker Pispers legt sehr elegant und unterhaltsam dar, was ich nicht besser könnte. Daher habe ich mich entscheiden, sein Programm zu posten.Ich versuch mal ein Blickwinkel zu öffnen.Es geht um den strukturellen Vergleich vom Katholizismus und dem Kapitalismus. Ich meine da Gemeinsamkeiten zu sehen, welche sich darin auch etwa gleich auswirken. Einfach ist das nicht.Daraus schlägt die Politik kapital. da sie das Zepter schon lange den Firmenbossen abgegeben haben.

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