Schock!

Das Interview: Ein Hydrant packt aus

Hydranten stehen zu Tausenden in der Schweiz, doch niemand weiss um die Sogen und Nöte der nützlichen Helfer. Der Wechselbalg hat sich vor Ort mit einem Hydranten über sein Alltag und sein Leben unterhalten.

Wie lange ich schon hier bin? Hm… Zehn Jahre? Elf? Ja hhhahhah… Elf Jahre sind das jetzt. – war auch nicht immer einfach und schön – aber ich will nicht klagen, habs ja soweit gut.
Ich bin beim VBS angestellt und unterstehe direkt dem Ueli Maurer. Bin im Bevölkerungschutz. Die könnten das gar nicht ohne mich! Die wären ganz schön aufgeschmissen! Ich stehe ziemlich unter Druck, das ist alles so wichtig! Zum Glück musste ich noch nie ran! Denn: Es ist besser eine Hydranten zu haben und ihn nicht zu brauchen, als einen Hydranten zu brauchen und ihn nicht zu haben! Das sagte mein Vater auch schon.

Er spürt die Rosetten

Was? Was ich erlebt hab? – ja… Einigesss… …weiss auch nicht… Die meisten gehen einfach an mir vorbei, ohne mich zu registrieren. Ich bin ja n stiller Helfer… Einmal hat sich einer auf mich drauf gesetzt. Da spürte ich, wie er seine Rosette genau auf meinen Vierkant ausrichtete – uwahh! Dann hat er so gezuckt… nicht schön. Er blieb noch lange so sitzen.  Ja… dann.. …jeden Tag pisst mich zweimal ein Hund an… …da wünscht man sich Regen!

Depressionen sind Alltag

Is mir auch schon mal alles verleidet, dann wollte ich nicht mehr leben – das war so ne harte Zeit. Hatte damals grosses Glück, dass ich nicht in den Drogen oder Alkoholsumpf gerutscht bin. Auch der Prostitution bin ich nur knapp entkommen. Is ganz schön einsam hier. Da kriegst schnell mal Depressionen!

Jetzt bete ich meistens, aber das hilft ja kaum – is mehr so fürs Gewissen… …muss ja an was glauben im Leben- nicht? Wenn man nur ein selber hat.. Der Herrgott lässt ein nicht im Stich!                             Jaja…

Dauernd innerlich unter Druck

Als ich noch bei Debrunner im Lager war, hatte ich noch Hoffnung – Zukunft und so – aber jetzt… …dann hat man eine Bestimmung, eine Aufgabe und dann steht man nur da und kann nichts machen. Ich hab hier nichts – hier ist nichts,  n i c h t s, nur ich… Ich kann ja nicht weg… Das’s ganz schön hart e!

Tiere sind immer willkommen

Stell dir vor!: In meinem linken Arm wohnt ne Spinne!

Ne Spinne! zisss!

Ne Spinne Alter! Ne verfickte Spinne – in meinem scheiss linken Arm! Sag mir jetzt sofort jemand, der auch ne scheissverfickte dähhhhhräggs Spinne in seinem scheiss linken Arm hat! So mach ich meine Aufgabe hier! So n Stress hab ich hier! -dass ne scheiss Spinne kommen muss und mir dabei hilft, weils so verpisst hektisch ist hier! Oh mann…              …mja… so is das hier… …scheisse…

Hast was zum Rauchen da? Kanst was rauslassen? a…

Ein Funke Hoffnung

Jajahh…. So gehen die Jahre ins Land… …nichts ändert sich…, ist doch alles scheisse. Vielleicht werd ich mal von nem besoffenen Schneepflug geschliffen, dann wärs auch mal vorbei hier. Ich bin alt, hab mein Leben gelebt, nichts zu stande gebracht…

In einem Jahr oder so wollen sie die Wiese erschliessen, dann kommt hier ne Strasse rein. Das giebt einem schon wieder Hoffnung… das sich da noch mal was ändert.                          Jaja… mhm… So ist das Leben…

(Der Wechselbalg)

Abfall:

sie können sich das gar nicht vorstellen! Wer ein Sinn findet, darf ihn behalten.

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